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Ausgangspunkt ist Vilém Flussers Essay „Die Geste des Fotografierens“, worin der Fotograf durch eine doppelte Aufmerksamkeit charakterisiert wird: Einerseits achtet er auf das zu fotografierende Objekt, andererseits auf sich selbst bzw. seine Relation zum Objekt. 
„Der Mann mit seinem Apparat befindet sich nur für uns, die wir ihn beobachten, im Mittelpunkt der Situation, jedoch nicht für sich selber. Er glaubt sich außerhalb der Situation, denn er beobachtet sie.“ (Flusser) 

Davon ausgehend entstand meine Idee, gleichzeitig die Rolle des Fotografen als auch die des außenstehenden Beobachters einzunehmen: Ich erstellte im Ausstellungsraum, im Gewölbekeller des Klosters Gravenhorst mit seinem Raumhall, eine Reihe von Fotos mit einer alten analogen Polaroid-Kamera und zeichnete diesen Vorgang akustisch mit einem Audio-Rekorder auf.

Aus den Geräuschen meiner Bewegungen und Gesten des Fotografierens vor Ort entwickelte ich eine elektroakustische Komposition. Diese wird über eine schwarze Klangskulptur hörbar, welche die Form einer Polaroid-Filmkassette aufgreift.

Dabei bleibt fraglich, welche Standorte ich während der fotografischen Aufzeichnung eingenommen und wo ich den Audio-Rekorder positioniert hatte, ob ich mit akustischer Intention fotografiert und inwieweit der außenstehende Beobachter (Audio-Rekorder) Einfluss auf meine Gesten und Bewegungen im Raum genommen hatte, ob ich bestimmte Geräuschabfolgen beim Fotografieren im Raum erzeugt oder sie nachträglich komponiert habe ...

„Eine Situation zu beobachten heißt, sie zu manipulieren. Die Beobachtung verändert das beobachtete Phänomen. Gleichermaßen gilt, dass eine Situation zu beobachten heißt, eben dadurch verändert zu werden, die Beobachtung verändert den Beobachter.“ (Flusser)


Ausstellung | Exhibition: Soundseeing, DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 2019


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